Die Grüne Gentechnik wird sowohl in Bezug auf Chancen als auch auf
Risiken seit langem kontrovers diskutiert. Gleichzeitig besteht ein
hoher gesellschaftlicher Handlungsbedarf, die notwendigen Weichen für
die Zukunft dieser Technologie zu stellen. Dem hohen Handlungsdruck
steht allerdings ein Stillstand in den Positionen gesellschaftlicher
Akteure gegenüber.
In zwei aufeinander aufbauenden zweitägigen Workshops diskutierten
die Teilnehmer über Triebkräfte der Technologieentwicklung und
verhandelten gemeinsame Schritte in die Zukunft.
Methodisch lag den Workshops der Ansatz der szenariobasierten
Konfliktmittlung zugrunde. Der Ansatz stützt sich auf die
Szenario-Methode und adaptiert sie an den jeweiligen Konfliktkontext.
Wesentliche Merkmale des Verfahrens sind die sowohl inhaltlich als auch
vom Teilnehmerkreis her gestufte Vorgehensweise und die spezifischen
Anforderungen an Durchführung und Moderation.
Zehn Vertreter/innen verschiedener Verbraucher-, Umwelt- und
Naturschutzorganisationen sowie der Entwicklungshilfe entwarfen im
ersten Workshop mit Hilfe des strukturierten Vorgehens der
Szenario-Methode verschiedene Perspektiven der Zukunft. Mögliche
Einflussfaktoren für die zukünftige Rolle der Grünen Gentechnik in der
Landwirtschaft wurden identifiziert, ihre Bedeutung eingeschätzt und
potentielle gesellschaftliche Rahmenbedingungen diskutiert.
Im zweiten Workshop wurde der Kreis der Akteure erweitert.
Zusätzlich zu sieben Vertreter/innen aus dem ersten Workshop, nahmen
sechs Vertreter/innen entlang der Nahrungsmittelkette teil. Im Ergebnis
identifizierten die Teilnehmer gemeinsam als wichtig erachtete
Einflussfaktoren für die zukünftige Entwicklung.
Die Debatte um Einflussfaktoren ist keine Auseinandersetzung um
Positionen. Es geht vielmehr darum, die Botschaften transparent zu
machen, die sich hinter der Auswahl und Gewichtung der Einflussfaktoren
verbergen. Sie signalisieren, worin die Triebfedern der
Technikentwicklung gesehen und wo Strategien zur Gestaltung gesucht
werden. Dieser Perspektivenwechsel (weg von bloßen Positionen hin zum
Austausch der Annahmen über die zukünftige Entwicklung) erleichterte
eine Annäherung aller Akteure. Die Teilnehmer konnten sich in
gegenseitigem Einvernehmen auf Einflussbereiche verständigen, in die
die Vorstellungen sowohl der Vertreter der Nahrungsmittelkette als auch
die der NGO´s in jeweils durch die Diskussion modifizierter Form
eingeflossen sind. Es gelang, unterschiedliche Vorstellungen nicht
konfrontativ, sondern integrierend zu reflektieren. Dies sind
Ansatzpunkte zur Überwindung der bisherigen Gegensätze. So mündete der
gemeinsame Reflexionsprozess über Triebkräfte und Rahmenbedingungen der
Technologieentwicklung in Verhandlungen darüber, welche Schritte heute
angestoßen werden müssen, um die Debatte einer Konfliktlösung und damit
einer gemeinsam getragenen Zukunftsgestaltung näher zu bringen. Ein
zwischen den gesellschaftlichen Akteuren abgestimmter
Verhandlungskatalog bezieht sich auf die wesentlichen Themen, die
gemeinsam be- und verhandelt werden müssen, und deren Gewichtung. Fünf
Themenblöcke wurden als besonders wichtig erachtet. Darüber hinaus
einigten sich die Teilnehmer darauf, welche gesellschaftlichen Akteure
an der Zukunftsgestaltung dieser Fragen beteiligt werden müssen.
Kommunikationsregeln für den Umgang miteinander wurden vereinbart.
Der Ansatz der szenariobasierten Konfliktmittlung zeigt, dass auch
in einer Situation verhärteter Positionen neue Formen der Kommunikation
Bewegung in eine Debatte bringen können.