Seit etwa drei Jahren erleben Internetdienste, die Kooperative
Technologien (kurz: KoopTech) einsetzen, einen gewaltigen Aufschwung.
Bekannt auch unter dem Stichwort "Web 2.0" unterstützen sie mit
verschiedenen Eigenschaften Kommunikation und Transaktionen aller Art.
Binnen weniger Monate gewinnen sie Millionen von Mitgliedern, die
untereinander Kontakte knüpfen und ausbauen, Inhalte wie Texte, Bilder
und Videos bereitstellen, materielle und immaterielle Güter tauschen,
kaufen und verkaufen.
Diese hochdynamische Entwicklung, die ihren Schwerpunkt überwiegend
in privaten Lebensbereichen hat, greift zunehmend auch auf Arbeits- und
Ausbildungswelten über. Die Fähigkeit zum Aufbau, Erhalt und Ausbau
sozialer Netzwerke wird zunehmend zur Schlüsselqualifikation. In
Arbeitsorganisationen, die in projektbezogenen Teams aus internen und
externen Beteiligten Aufgaben erledigen, nimmt die Bedeutung
berufsbezogener Netzwerke zu. Auch für Existenzgründungen ist die
Einbindung in Informations- und Austauschnetzwerke eine wichtige
Erfolgsbedingung.
Neue Unterrichtsmethoden und neue Forschungsergebnisse werden über
das Internet schneller ausgetauscht als zuvor. Der Austausch wird auch
zwischen Lehrenden und Studierenden unterschiedlicher Disziplinen
erleichtert und ermöglicht eine verstärkte Kooperation verschiedener
Disziplinen, sowohl in der Lehre, also auch in der Forschung. Oftmals
geht es aber nicht nur um einen reinen Informationsaustausch, sondern
auch um das Stärken sozialer Bindungen. Die Online-Interaktion zwischen
Lehrenden und Studierenden nimmt in dem Maße zu wie Studierende mehr
und mehr Kommunikationsmittel in ihrem alltäglichen Leben
verwenden.
Die interdisziplinär angelegte Untersuchung will das Phänomen der
neuen Kooperativen Technologien in den Bereichen "Soziale Software" und
"Wissenskollektive" aufklären. Im gleichen Zuge soll der Stand der
technologischen Entwicklung beschrieben werden. Dabei sollen Aspekte
der Sociability und Usability bzw. User Experience untersucht sowie
Potenziale für Anwendungsbereiche in Arbeit und Ausbildung ermittelt
werden.
Das Arbeitsprogramm ist darauf ausgerichtet entsprechend der
gegenstandsverankerten Theorie vor allem qualitative Daten mit dem Ziel
der Theoriebildung systematisch auszuwerten. Ziel ist es, in möglichst
intensiver Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsgegenstand eine
realitätsnahe Theorie zu entwickeln und sie für die Praxis anwendbar zu
machen. In unserer Studie verwenden wir die Methoden der
Feldbeobachtung, Literaturanalyse, Inhaltsanalyse, der qualitativen
Experteninterviews sowie der deskriptiven und komparativen Analyse.