Das 1997 in Kraft getretene deutsche Transplantationsgesetz hat
für die Transplantationsmedizin zwar mehr Rechtssicherheit
gebracht, den eklatanten Mangel an Transplantaten jedoch nicht beseitigt.
Der Organmangel in Deutschland wäre noch gravierender, wenn
er nicht durch Nettoimporte innerhalb des Eurotransplant-Verbundes
gemildert würde.
In der letzten Zeit ist daher vermehrt über Strategien und
Anreize zu Erhöhung des Organaufkommens diskutiert worden.
Besondere Brisanz erhält die Problematik dadurch, dass Medienberichten
zufolge in einigen Fällen die strengen deutschen Regelungen
zur Lebendspende umgangen wurden, indem Lebendspender bezahlt worden
seien. Zudem mehren sich die Stimmen, die in mehr oder minder begrenztem
Umfang den Handel mit Organen zulassen wollen.
Im Rahmen des Projektes soll zunächst untersucht werden, worauf
die Diskrepanz zwischen geäußerter Spendenbereitschaft
und tatsächlichen Organspenden zurückzuführen ist
und warum die bisherige Politik zu keiner Steigerung des Organaufkommens
geführt hat. Insbesondere soll diskutiert werden, inwieweit
ein "Markt für Organe" – ähnlich einem Markt für
und damit Wettbewerb um Krankenversicherungsverträge, oder
auch einem Markt für Arzneimittel – moralisch vertretbar
ist. Darüber hinaus sollen Vorschläge für neuartige
Anreizsysteme und die damit verbundenen moralischen Probleme –
Eigentumsrecht an Organen, Sicherung der Freiwilligkeit von Spenden,
Organkauf in Entwicklungsländern u.a.m. – diskutiert
werden.